Celebrating Women in Wine

In Südafrika wird jährlich am 9. August das Werk der Frauen gewürdigt, die einst im Widerstand gegen die Apartheid kämpften. Inzwischen ist es Brauch, dass während des gesamten Monats August, Leistungen von Frauen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Auch Südafrikas Weinsektor profitiert von dem couragierten Engagement zahlreicher Frauen, die sich in der traditionell von Männern geprägten Domäne, erfolgreich durchgesetzt haben. Norma Ratcliffe beispielsweise. Gewürdigt als „First Lady of South African wine“ gilt sie als Wegbereiterin für viele Frauen, die heute am Kap erfolgreich ihre eigene Weinserie produzieren oder als Winzerin und Kellermeisterin leitende Positionen ausüben.

Die familiäre Weinrange „Warwick’s First Lady“ honoriert die Erfolge von Norma Ratcliffe, die als eine der ersten Frauen Südafrikas, die Weinqualität eines Weinguts verantwortete. Ihre ausgeprägte Fachkompetenz, Courage und ihre enorme Passion qualifizierten sie,  um als erste Frau in die renommierte „Cape Winemakers Guild“ aufgenommen zu werden. Norma ist bis dato die einzige Frau, die mit dem Vorsitz dieser illustren Vereinigung renommierten Kellermeister betraut wurde.

Eine der frühen weiblichen Pioniere ist auch Catherine Marshall, die heute unter ihrem Namen ihre eigene Weinlinie in Elgin produziert. Für eine Selbständigkeit entschied sich  Trizanne Barnard, die nach dem Weinbaustudium, zahlreichen internationalen Stationen, der kellerwirtschaftlichen Leitung von Klein Constantia und Anwillka nun ihre eigene „Signature Wines“ produziert. Oder die gebürtige Amerikanerin Samantha O’Keefe  – sie hat sich in Greyton mit dem Aufbau einer eigenen Farm und ihren gleichnamigen Weinen ihren Traum verwirklicht.

Große Fußstapfen hat Andrea Freeborough zu füllen. Sie übernahm Position von Razvan Macici – einem einflussreichen Kellermeister – und verantwortet mit Nederburg eine der erfolgreichreichsten Erzeugermarken Südafrikas. Eine unglaubliche Karriere absolviert Unathi Mantshongo, eine passionierte Viticulturistin, die ohne jeglichen familiären und kulturellen Hintergrund in den Weinsektor kam. Dank eines Stipendiums entschloss sie sich Weinbau und Kellerwirtschaft zu studieren. Heute koordiniert sie Projekte im Bereich Transformation und sozialen Wandel bei Vinpro, der Vereinigung  von 3.500 Traubenfarmer in der Kapregion.

Eine besondere Post-Apartheid-Karriere absolvierte Carmen Stevens. Sie schloss bereits 1995 ihr Weinbaustudium in Stellenbosch ab. Als erste farbige Kellermeisterin verantwortet sie seit 2005 die Weine des Weinguts Amani in Stellenbosch, zudem produziert sie ihre eigenen Weine.  Inzwischen studiert sie zeitgleich als erste farbige Südafrikanerin, für ihren Master of Wine in England.

Die erste schwarze Weinmacherin ist Nonsikelelo Biyela – bekannt als Nstiki. Aus KwaZulu-Natal stammend hatte sie keinen persönlichen Zugang zur Weinkultur. Erst als sie mit ihrem Stipendium von der South African Airways erstmals im Western Cape landete und sie zum ersten Mal die Weinregionen sah, entschied sie sich spontan Önologie zu studieren. Sie wusste auf Anhieb: Wein ist ihre Berufung. Zeitgleich zu ihrem Studium an der Universität in Stellenbosch, absolvierte sie eine Ausbildung auf dem familiengeführten Weingut Delheim. Zur Erweiterung ihres Wissens arbeitete sie als „Flying winemaker“ in Bordeaux und der Toskana. 2009 wurde sie zur „Women Winemaker of the Year“ gekürt.

NtsikiBiyelaPicture1_1024Eine weitere Anerkennung erhielt Ntsiki durch ein Joint Venture mit Helen Kehliger, Kelinger Wines in Napa Valley. Zusammengeführt wurden die beiden charismatischen Weinfrauen von der Organisation „Wine for he World“ . Deren Intension es ist, den Austausch zwischen talentierten Weinmachern aus den USA und dem Ausland zu fördern und die Weinwelt so „etwas kleiner zu machen“. 2012 produzierten die beiden Weinladies gemeinsam einen ökologisch und sozial nachhaltigen „Keplinger Bylea Red“.

Nstiki war für rund 12 Jahren angestellte Kellermeisterin bei Stellekaya. Ihre Zukunft gilt jedoch ihrer eigenen Weinserie – dem Weingut Stellekaya bleibt sie als Beraterin verbunden. Dort baut sie auch ihre Weinlinie aus; Trauben kauft sie zu. Ihren Weinstil bezeichnet sie mit „Hands on“ – vom Pressen der Trauben auf der traditionellen Korbpresse bis zum händischen Stoßen der Traubenmaische. Ntsiki über ihre Philosophie: „Die Frucht und das Holz müssen immer in der Balance sein, um so die Charakteristik der Rebsorte und die Integrität der Marke nicht zu überlagern.“ Mit ihrer Weinserie gedenkt sie ihrer Großmutter: Aslina – sie war die Frau die Ntsiki groß gezogen hat. Und sie war es auch, die Ntsiki mit einem beherzten „Go Go Go“ ermutigt hat, ihrer Berufung zu folgen, nachdem sie den ersten Wein (2004) ihrer Enkelin verkostet hat.

Der erste Biyela-Wein war ein Aslina 2013 – eine Cuvée an Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Malbec. Nstikis nächster Meilenstein ist der Ausbau von Weißweinen – ein Sauvignon Blanc mit Trauben aus Stellenbosch und ein Chardonnay aus Paarl. Den nächsten großen Weintraum hat sie bereits in petto: das kühle Klima in Elign zu erobern. Es gibt keinen Zweifel, dass ihr auch das gelingen wird.

Cheers – auf all die vielen Weinfrauen Südafrikas, die hier nicht erwähnt, die aber stellvertretend gewürdigt werden.

Text: Lindsaye McGregor (Englisch) und Petra Mayer (Deutsch)

Source: WOSA-Blog