Pinotage – Südafrikas roter Sonderfall

by Petra Mayer

Südafrikas führende Rotweinsorten sind Cabernet Sauvignon, Shiraz und Pinotage. Dabei hat der Pinotage einen besonderen „Heimvorteil“: Er ist eine südafrikanische Rebsorte, entstanden 1925 aus einer Kreuzung von Pinotage und Cinsault, die in der Kapregion auch Hermitage genannt wurde. Sein Züchtervater ist Abraham Perold, ein international erfahrener Forscher und Universitätsprofessor in Stellenbosch. Es dauerte allerdings 20 Jahre, bis die Rebsorte professionell angebaut wurde.

1959 gewann der erste Pinotage-Wein (Weingut Bellevue) einen Weinpreis. Als dann 1961 auch das Weingut Kanonkop eine Auszeichnung für Pinotage erhielt, wuchs das Interesse der Farmer. Die Sorte ist robust und sehr früh reifend. Doch viele Farmer produzierten zu hohe Mengen und wussten auch nicht, wie man die Maische im Keller behandeln musste. Das war kein glorreicher Start für die heimische Rebsorte, aus der „Flagschiffweine“ erzeugt werden sollten. Glücklicherweise gab es Produzenten, die damals bereits ihre Passion für Pinotage entdeckten. Allen voran Beyers Truter, Kellermeister bei Kanonkop. Als 1987 beim Diner’s Club Winemaker of the Year eine eigene Kategorie für Pinotage geschaffen wurde und er diesen Preis gewann, erweckte er die Sorte aus dem Dornröschenschlaf. Den ersten internationalen Achtungserfolg für den gesamten südafrikanischen Weinsektor erzielte Truter 1991. Er gewann 1991 die Robert Mondavi Trophy für den besten Rotwein der Show und wurde zugleich zum Winemaker oft the Year gekürt. Und das mit Pinotage in einer Zeit, wo alle für Cabernet Sauvignon schwärmten und in einer Phase, wo Südafrika aufgrund der internationalen Sanktionen auch auf dem Weinmarkt nicht sonderlich willkommen war.

Beyers Truter erkannte seine persönliche Berufung darin, die Wildheit des Pinotage zu zähmen. Mit dem Zusammenschluss der Winzer zur Pinotage Assocation wurde der Dialog gefördert und zahlreiche Studien wurden durchgeführt, um die weinbaulichen und kellerwirtschaftlichen Praktiken zu optimieren.

Die Sorte bleibt eine Herausforderung und die harschen Tannine erfordern von den Erzeugern große Sorgfalt. Doch zu wissen, dass diese Sorte ein besonderes Differenzierungsmerkmal darstellt, ist ein großer Ansporn. Auch wenn nicht jeder Weinkritiker mit der Sorte sympathisiert, gibt es international viel Lob. Geschätzt wird Pinotage auch wegen seinem Reifepotenzial. Die Attraktivität dieser Sorte zeigt sich in der Vermählung mit Shiraz oder Cabernet Sauvignon. Ist Pinotage der Hauptanteil der Cuvée, handelt es sich um einen Cape-Blend und damit um eine unverwechselbare Südafrika-Cuvée. Typisch für Pinotage ist seine tiefdunkle Farbe, sein Aromenspektrum von reifen dunklen Früchten, Tabak, Mokka und ledrigen Facetten gepaart mit einer Struktur, prädestinieren diese Rotweine als Begleiter zu kräftigen Fleisch- und Wildgerichten, wie man sie in Südafrika gern genießt.

Hintergrund: Pinotage ist eine internationale erfolgreiche und einzigartige südafrikanische Rebsorte. Die hochwertigen Qualitätsweine, die Südafrikas Winzer produzieren, profilieren diese Rebsorte als Trumpfkarte für den Weinsektor. Die Mitglieder der Pinotage Association treffen sich zu regelmäßigen Workshops und Roundtable-Gesprächen, um Wissen auszutauschen, sich über weinbauliche Praktiken zu informiere und ihre Weine zu verkosten. Gemeinschaftlich investieren die Produzenten in Forschung und Entwicklung, um ihr Qualitätsstreben wissenschaftlich fundiert voranzutreiben. Im Rahmen der Absa-Top-10-Gewinner werden jährlich die 10 besten Pinotage-Weine ausgelobt, um die Besonderheit dieser Rebsorte auszuloben. Die Perold Absa Cape Blend Competition kürt jährlich fünf Weine zu den besten Cuvées mit Pinotage als Hauptbestandteil.