#socialstories: Ethische Weinerzeung

Fairer Handel, ethische Weinerzeugung – zwei große Themen, die in Südafrikas Weinwirtschaft eine zentrale Rolle spielen, um den Transformationsprozess voranzutreiben. Die Umsetzung von fairen Prozessen und ethischem Handel ist für ein Entwicklungsland eine komplexe Aufgabenstellung, die auch Südafrikas Weinwirtschaft zu meistern hat.  Mittels diverser  Sozialstandards bzw. Zertifizierungen –  wie z. B: Fair Trade und WIETA – fördern die Südafrikaner den Wandel entlang der Wertschöpfungskette Wein. Was sich hinter WIETA verbirgt lesen sie hier:

In Südafrikas Weinwirtschaft sind rund 60 Prozent der 300.000 Arbeiter, die im Weinbereich tätig sind,  ungelernte Arbeitskräfte und verdienen deshalb einen besonderen Schutz und Unterstützung. Bereits in 2004 haben unterschiedliche  Organisationen und Stakeholder des Weinsektors die Organisation „WIETA“ – Wine and Agricultural Industry Ethical Trade Association“ gegründet. Das Ziel dieser Vereinigung ist es, die sozialen Rahmenbedingungen für die Arbeiter im Weinsektor zu verbessern. In einem komplizierten Multistakeholder-Dialog wurde ein Kriterienkatalog (WIETA-Kodex) entwickelt, der vor allem das Bewusstsein für ethisches Handeln auf allen Seiten fördern sollte. Um die Umsetzung zu gewährleisten, hat man sich 2012 für eine Zertifizierung durch neutrale Auditoren entschieden.

Der WIETA-Kodex orientiert sich an internationalen Sozialstandards und berücksichtig unter anderem, das Verbot von Kinderarbeit, Verbot zum Arbeitszwang, Arbeitsschutz und betriebliche Sicherheit, das Recht einer Gewerkschaft beizutreten, Schutz vor Diskriminierung, Arbeitsverträge, Arbeitszeiten und eine Mindestlohnregelung uvm. Der finalen Zertifizierung der Farmen gehen Schulungen, Beratungen und praktische Hilfestellungen aufseiten der Farmer und Arbeiter voraus. Das gemeinsame Ziel aller Beteiligten besteht darin, die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern und zu fördern. Dass das Heil nicht in einem Siegel liegt, ist allen Beteiligten klar, doch es war ein erster wichtiger Schritt. Inzwischen richtet sich der Fokus von WIETA und anderen Organisationen darauf, dass die Arbeiter sich auch trauen, ihre Rechte in Anspruch zunehmen. Dazu zählt auch, dass sie Vergehen ankreiden können, ggf. auch anonym. Dazu wurden What’s App Gruppen, Social Worker, Vertrauenspersonen etc. eingerichtet. Auch das Recht in eine Gewerkschaft einzutreten steht allen frei. Auch wenn es den Arbeitern oftmals nicht leicht fällt, die Mitgliedsbeiträge aufzubringen oder aus Mobilitätsgründen an den Versammlungen teilzunehmen.

Das Siegel auf der Flasche, wird nur Weinen erteilt (nicht Betrieben), die auch in Südafrika auf die Flasche gefüllt werden. Der steigende Export von Originalabfüllungen, im Gegensatz zum kostengünstigeren Fassweinen ist für die Südafrikaner ein wichtiges strategisches Ziel. Die Abfüllung in den heimischen Betrieben trägt dazu bei, wichtige Arbeitsplätze zu erhalten und zu einer erhöhten Wertschöpfung durch bessere Abgabepreise zu gelangen. Auch die Förderung einer touristischen Infrastruktur ist ein wesentliches Standbein für die Südafrikaner, um gute und anspruchsvolle Arbeitsplätze zu schaffen und Ausbildung zu fördern.  Der Prozess, die Armut in Südafrika und die hohe Arbeitslosenquote einzudämmen, sowie Ausbildung und faire Löhne zu fördern, ist eine komplexe Herausforderung, für die es jedoch bereits vielversprechende Lösungsansätze und Erfolgsbeispiele gibt.

Weitere Informationen: Wine and Agricultural Industry Ethical Trade Association