Südafrika im Wandel

Südafrika trägt als einziges Weinland der Welt ein sehr bedrückendes Erbe und zwar das der der Apartheid. Die Herausforderungen, die der geforderte und berechtige Anspruch von Gleichstellung stellt, sind groß. Doch südafrikanische Weingemeinschaft nimmt sich derer an, und leistet im Großen wie im Kleinen viel Gutes. Das meiste vollzieht sich für die Öffentlichkeit hinter den Kulissen. Doch diese stillen Helden stehen für das “Neue Südafrika”  und ihre Lebensläufe sind ein starkes Bekenntnis für eine nachhaltige Entwicklung in den Weinregionen am Kap.

Lindsay Mc Gregor hatte vor einigen Jahren  das Privileg im Auftrag der WOSA das Buch Ithemba zu schreiben. Gemeinsam  mit Fotografin Anna Lusty bereiste sie die Weinregionen. Dabei hat sie eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Projekte kennengelernt. Die Bandbreite der Aktivitäten, die den Wandlungsprozess bedingen, reichen von Ausbildungsinitativen, Arbeitergewerkschaften, Black-owned-Brands und farbigen Weinmachern. Was Lindsay am meisten berührte war der enorme Spirit der Gleichstellung ihren Weg zu bahnen. “We sensed a reale change vom Ground level up, of farmer’s engaged with their workers’ needs and a strong sense of community,”  beschreibt Lindsey den Willen für Veränderung, den sie von Grund auf zwischen Farmern und den Arbeitern spürte.

Beim Besuch des größten Fairtrade Projektes, Fairhills in Breedekloof, ein Joint Venture von Origin Wine, Du Toitskloof Winery und der Arbeitergemeinschaft, traf sie beispielsweise Clara Jacobs. Sie fand während ihrer Arbeitszeit auch noch die Zeit in einer Kindertagesstätte mitzuwirken. Ihre berufliche Ausbildung konnte sie erst im Erwachsenenalter abschließen. Denn als Kind musste sie die Schule um 11 Uhr verlassen, um dann in den Weinbergen zu arbeiten um ihre Familie zu unterstützen. Dank Bildungsprogramme für Erwachsene die Fairhills zur Verfügung stellt, konnte sie doch noch eine Ausbildung erfolgreich absolvieren. Damit ebnete sie auch den Weg für ihre Tochter,  ihr schulisches Examen schon im Kindesalter abzuschließen. Ein weiterer Wunsch von Clara war es Auto fahren zu lernen. Doch nur wenige Menschen zu transportieren, das war ihr zuwenig. Sie entschloss sich den LKW/Bus-Führerschein zu machen und hilft heute so vielen Menschen an deren Ziel zu gelangen.

Eine weitere erstaunliche Karriere absolvierte Eia Andreas, die schon beim Besuch von Lindsay auf der Farm Direktor und HR Manager bei Bosman Family Vineyards war. Nur wenige Jahre später ist sie Aufsichtsratsvorsitzende der Landmark Empowerment Unternehmensgruppe Bosman Adams und Vorsitzende des Adama Appollo Workers’ Trust. Als Tochter eines Farmarbeiters war sie die 5. Generation ihrer Familie, die auf der Bosman Farm Lelienfontein aufwuchs. Niemals hätte sie es für möglich gehalten einmal Mitinhaberin der Farm zu sein, auf der schon ihre Vorfahren lebten: “I never thought I would be the co-owner of a big farm that my ancestors were a part of. And what they laid out for me I can now enjoy. This farm means a lot to me. I love it, it’s my passion!”

Es gibt in Südafrika inzwischen viele Organisationen die dazu beitragen die Strukturen innerhalb der südafrikanischen Weinwirtschaft zu transformieren. Wie z. B. Fair for Life, eine neutrale Organisation,  die eine nachhaltige Entwicklung auf den Betrieben fördert u. a. die Einhaltung von sozialen Standards zertifiziert. Oder die  Wine and Agricultural Ethical Trading Association (WIETA), eine Multistakeholder-Organisaton, die Betriebe und Arbeiter berät und die ethisches Wirtschaften entlang der Wertschöpfungskette fördert. Verbunden damit ist auch ein striktes Audit gemäß der WIETA-Kodex, der die Einhaltung der internationalen “Fair Labour Practises” gewährleistet. Gleichzeitig spielt auch Fairtrade in Südafrika eine große Rolle. In 2014 stammten 75 Prozent aller Fairtrade-Weine weltweit aus Südafrika.

Sind das nicht alles anregende Beweise dafür, dass in Südafrika die Transformation spürbar und erlebar wird? Sowohl im Kleinen als auch im Großen.

 

– Lindsaye Mc Gregor, Petra Mayer – 

Bildunterschrift: v.l.n.r.: Rita Andreas, Johan Arnolds (production manager at Lelienfontein Vine Growers) und Petrus Bosman (MD, Bosman Adama). Photo:  Jacques Claassen, Farmer’s Weekly

 

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