Südafrikas Weinmacher – Flying Solo: “Mach dein Ding”

Es braucht Mut und Courage, um als Weinmacher in Südafrika zu arbeiten, vor allem wenn einem kein elterliches Weingut in die Wiege gelegt wurde. Was die großen prägenden Namen der südafrikanischen Weinszene auszeichnet, ist ihre Passion und ihr Streben nach einem Wein, der ihre Handschrift trägt. Und das bedeutet früher oder später, dem immer lauter werdenden Ruf zu folgen: “Mach Dein Ding”.Dieser innere Antrieb bedeutet, dass die Kellermeister sich aus der Komfortzone einer festen Anstellung hinauswagen, um in der Selbständigkeit ein neues Weinabenteuer zu beginnen. Beschäftigt man sich mit der Weinszene am Kap, zeigt sich, dass genau dieses Bestreben Südafrikas anhaltende Dynamik bewirkt. Diese Kellermeister wirken auch als Katalysatoren für die gesamte Branche, wach zu bleiben, Bewährtes zu hinterfragen und strebsam neue Facetten des südafrikanischen Weinpotenzials zu erobern.

Zu den Pionieren der Weinmacher, die auf der Höhe ihres Erfolges die Komfortzone einer festen Anstellung verließen, zählen beispielsweise Beyers Truter. Nach vielen internationalen Auszeichnungen für sein Wirken auf Kanonkop begann er sein eigenes Weingut Beyerskloof. Dort konzentrierte er sich vollends seiner Passion – dem Pinotage.

Auch Etiennte Le Riche verspürte den Ruf, sein Wirken einer Rebsorte zu schenken: Für Cabernet Sauvignon verließ Rustenberg und schuf sich mit Le Riche Wines sein eigenes Weinuniversum. So fand auch Neil Ellis sein eigenes Zuhause. Er war einer der Pioniere, der sich darauf verstand die Aromenprofile von besonderen Standorten genau zu analysieren und seine Trauben sorgfältig auszuwählen. Seiner “Spürnase” ist es zu verdanken, dass Sauvignon Blanc von “Groenekloof” aus Darling auf der Weinkarte Südafrikas erschienen ist.

Oder Bruce Jack – er betrat 1999 die südafrikanische Weinbühne. Als Quereinsteiger eröffnete er unmittelbar an der V&A Waterfront in Kapstadt seine erste Winery. Er investierte in eine große Kühlanlage und suchte Trauben, gewachsen in kühlen Weinbergslagen. Ihn zog es in unentdeckte Gebiete und wurde so zum Geburtshelfer für den Weinbau in Elim an der südlichsten Spitze Südafrikas bei Cape Agulhas.

Offensichtlich haben viele Südafrikaner ein gewisses Abenteurer-Gen. So jedenfalls Eben Sadie. Er startete seine einzigartige Weinkarriere bei Spice Route in der Nähe von Malmesbury. Bereits 1999 entdeckte er, dass Swartland das Potenzial in sich birgt, um den südafrikanischen Weinstil zu revolutionieren. Bald darauf schlossen sich Kollegen wie z. B. Adi Badenhorst an. Nach neun Jahren erfolgreicher Tätigkeit bei Rustenberg wagte er den Schritt sich vollends dem “dryland Farming” und den “old vines” zu widmen.

Furore macht derzeit MW Richard Kershaw. Der einstige Kellermeister bei Kanu hat vor wenigen Jahren die Segel für sein eigenes Weinabenteuer gehisst. Heute konzentriert er sich auf den Anbau von Chardonnay und Shiraz, gewachsen in den kühleren Lagen Elgins. In unmittelbarer Nachbarschaft von Overberg und Bot River verwirklicht sich auch Weincharakter Niels Verburg. Er kaufte Land, pflanzte Weinreben an und verließ Beaumont um sein eigenes Label Luddite zu starten. Der Idee des “Slow Winemaking” blieb er treu: Luddite kann man auch als “natural wine” bezeichnen, sprich einer der ohne Interventionen seine Größe entfaltet.

Die Liste an südafrikanischen Weinabenteurern lässt sich scheinbar endlos fortsetzen. Diese Aufzählung ist bei Weitem nicht vollständig. Denn es betreten immer wieder neue Aktivisten Südafrikas Weinbühne. Diese Dynamos setzen mit ihren Ideen neue Impulse und durchbrechen mit ihrem Antrieb teils verkrustete Strukturen.

Vielfach bringen sie Erfahrungen aus dem Ausland mit nach Hause. Dort gehen sie kraftvoll ans Werk. Oft mit geringen monetären Mitteln ausgestattet, kreieren sie Weine, die für internationale WOW-Effekte sorgen. Ein herausragendes Beispiel sind dafür Andrea und Chris Mullineux. Oder aktuell Suzaan und Chris Alheit von Alheit Wines, die 2010 ihren Familienbetrieb im Hemel-en-Aarde Valley begonnen haben. Ihr “Cartology” ist wahrhaft ein Meilenstein auf Südafrikas Weg an die Weinspitze.

Einer der vollständig dem Reiz des maritimen Klimas verfallen ist, ist Duncan Savage. Um “sein Ding” zu machen, verabschiedete er sich nach 14 Weinernten von Cape Point Vineyards. Seine Selbstständigkeit bereitete er sorgfältig vor. In 2010 begann er mit seiner eigenen Range zu experimentieren. Nach vier Ernten war es an der Zeit um sich mit der “Savage Range” vollends auf eigene Beine zu stellen. Der Weinmacher und passionierte Surfer ist in seinem Wirken beseelt: “I cut my teeth on maritime vineyards so it’s nice to keep the same feel. Wines with good acidity that are refreshing, not heavy kinds of wine, are what I like to drink and make.”

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Foto: Adi Badenhorst, ©Petra Mayer