Weinlese 2016: ein heißer Jahrgang

Weinlese 2016: ein heißer Jahrgang

Südafrikas Weinjahrgang 2016 wird vermutlich als einer der heißesten Weinjahre am Kap erinnert werden. Wie sich die Weinqualität entwickelt, lässt sich derzeit nur mutmaßen. Die Weinlese ist in den Kapregionen noch in vollem Gange. Mengenmäßig rechnen die Südafrikaner, nach offiziellen Angaben von VinPro, bis auf Orange River und Klein Karoo, nahezu in allen Gebieten mit geringeren Erntemengen als im Vorjahr.

Die Begründung: Die enorme dürreähnliche Hitze, insbesondere im November und Dezember. Die Trauben werden leichter sein und die Beeren kleiner ausfallen. Das stimmt François Viljoen (VinPro) zuversichtlich hinsichtlich der Qualität. Die Trauben seien gesund und können, unter der Voraussetzung eines optimalen Ernteverlaufs, sehr konzentrierte aromatische Weine hervorbringen. Optimal heißt für den Weinbauberater Viljoen, dass die Temperaturen im Verlauf der Erntesaison moderat bleiben und kühle Nächte für Abkühlung der Reben sorgen. Selbst kurze leichte Regenschauer wären willkommen, da sie den Reifeprozess der Trauben verlangsamen.

Auch Weinjournalist Tim James berichtet in seinen Erntenotizen von einer ersten Einschätzung des aktuellen Ernteverlaufs. Er zitiert dabei Francois Haasbroek, Weinmacher (Blackwater) und Berater. Laut Haasbroek sei im Moment insbesondere der Reifeverlauf bei den roten Sorten kritisch zu beobachten. Hier sei Abkühlung wichtig, damit die Zuckerwerte der Trauben nicht allzu schnell in die Höhe schießen, während die Gerbstoffe wesentlich langsamer ausreifen. Das Resultat wären alkoholreiche Rotweine, gepaart mit grünlich wirkenden Tannien.

Ein Relikt aus der Vergangenheit, das die Südafrikaner dank Optimierung ihrer weinbaulichen Praktiken in den letzten Jahren vielfach ausgemerzt haben. Doch dieses Jahr ist ein Ausnahmejahr. Für Haasbroek ist 2016 einer der kniffligsten Jahrgänge seit 2002. Viele Winzer haben schon im Januar die verfrühte Gelbfärbung der Laubwand ihrer Reben bemerkt. Und reagiert. Mittels grüner Lese, sprich einer Reduktion der Traubenmenge am Stock und, wer über ausreichende Ressourcen besitzt, hat auch durch Beregnung für Entlastung der Reben gesorgt.

Tim James wurde bei seinen Gesprächen mit den Praktikern klar, dass sich die Beurteilung des aktuellen Jahrgangs nicht über einen Kamm scheren lässt: „It’s already clear that this will be a vintage in which making country-wide generalisations is going to be an even sillier exercise than usual“.

Am heißesten wurde es in diesem Jahr jedoch für die Winzer an den Hängen des Simonsbergs bei Stellenbosch. Eine verheerende und mehrtägige Feuerbrunst bedrohte namhafte Weingüter u. a. Kanonkop, Thelema, Zorgvliet, Delheim um nur einige Namen zu nennen. Es verbrannten rund 3.000 Hektar Land, das unter Naturschutz stand. Die schädlichen Ausmaße auf den Weinbau und die Qualität der Trauben sind derzeit noch nicht abzusehen. Zahlreiche ehrenamtlichen Feuerwehrleute, Farmarbeiter und Anwohner gaben Mitte Januar alles, um die Weinbauern und ihre Familien zu unterstützen.

Noch ist die Weinernte in vollem Gange. Es bleibt spannend und herausfordernd – und es heißt Daumen drücken für alle Winzer am Kap.

Autor: Petra Mayer

Weitere Informationen:

http://grape.co.za/2016/01/harvest-2016-interim-notes-1/

www.vinpro.co.za