Nicht nur im Anbau, auch in der Beliebtheit genießt Chenin Blanc immer mehr Aufmerksamkeit. Warum? Weil diese Rebsorte u. a. ein breites Geschmacksspektrum abdecken kann – von fein, fruchtig bis gehaltvoll körperreich. Die Krönung: die edelsüßen Spezialitäten, die an Finesse kaum zu überbieten sind. Es sind vor allem die feine Fruchtigkeit sowie eine dezente Säure, die den Chenin Blanc in nahezu allen Qualitätsklassen auszeichnet. Dadurch harmoniert die Rebsorte zu Nudelgerichten mit Gemüse sowie zu hellem Fleisch und Fisch.

Besonders hohe Aufmerksamkeit erzielten die Südafrikaner in den letzten Jahren für ihre hochwertigen Chenin Blancs. Durch reduzierte Ernten erhalten die Winzer ausdrucksvolle Weinqualitäten. Ein weiterer Fokus liegt verstärk auf alten Reben, den sogenannten Old Vines, die älter als 35 Jahre alt sind und mit Weinen auftrumpfen, die mit sehr viel Extrakt und individueller Note große Begeisterung auslösen.

Begleitet wird die zunehmende Hinwendung zu Chenin Blanc von der Rückbesinnung auf handwerkliche, naturbelassene Ausbauweisen, wie sie vor allem von jungen, unabhängigen Weinmachern bevorzugt werden. Diese zahlreichen Neuentdeckungen verstärken die Rolle des Chenin Blancs als weiße Leitrebsorte, deren ersten Setzlinge bereits mit der Begründung des Weinbaus in 1655 ans Kap kamen, 1964 mit Lieberstein, dem ersten südafrikanischen Markenwein und dem Verkauf von 31 Millionen Flaschen Furore machte und trotz der Hinwendung, nach der politischen Wende in 1994, vieler privater Weingüter zum Anbau von Chardonnay, Sauvignon Blanc oder noblen roten Sorten, Chenin Blanc bis heute die meist angebaute Weißweinsorte des Landes blieb.

Ina Smith, langjährige Leiterin der Chenin Blanc Association, begründet die wachsende Vorliebe für Chenin Blanc darin, dass es nie langweilig wird, sich mit ihm zu befassen – weder für die Winzer noch für die Genießer. Sie bringt ihre Philosophie auf den Punkt: „Chenin Blanc erzählt unsere Weingeschichte. Mit jedem Wein, mit jedem Weinfreund, der einen Chenin Blanc öffnet, werden wir um eine Story reicher. Und dieses Buch hat noch viele Seiten, die noch nicht beschrieben sind.“