Südafrikas Weinwelt im Wandel

Die Dynamik der südafrikanischen Weinwirtschaft umfasst nicht nur die Weinqualität an sich. Der Begriff „Qualitätssteigerung“ bedeutet auch, die soziale Dimension eines Weines zu optimieren.
Der Gleichstellungsprozess hat 1994 mit Beendigung der Apartheid begonnen. Und es ist noch eine weite Reise. Nach wie vor gibt es große Herausforderungen zu bewältigen. Nicht für alles hat man eine Lösung. Doch der Erfolg und die Entwicklung beweisen, dass ein friedvoller Wandel möglich ist. Der Weinsektor mag nach außen eine glanzvolle Ausstrahlung haben. Die schönen Farmhäuser, die stattlichen Parkanlagen, die tollen Festivitäten, internationale Reisen – doch das sind Früchte harter Arbeit, meist über mehrere Generationen. Und jeder der den Weinmarkt beobachtet und die Angebote sieht, inklusive der Preisoffensive, mit denen um die Gunst der Konsumenten geworben wird, der kann sich ausrechnen wie dünn oftmals die Margen sind.
In Südafrikas Weinsektor sind rund 290.000 Menschen beschäftigt. Knapp zwei Drittel der Beschäftigten stammen aus ehemals benachteiligten Bevölkerungsschichten. Die verantwortlichen Berufsverbände und politischen Organisationen forcieren den Wandel und die Umsetzung des von der Politik geforderte Black Economic EmpowermentProgramms. Damit soll gefördert werden, dass zunehmend schwarze und farbige Südafrikaner in den Betrieben auch in verantwortliche Positionen aufsteigen können. Die Eintrittskarte in diese Etagen ist jedoch eine fundierte Ausbildung. Dafür wurden zahlreiche Bildungsprogramme und Einrichtungen geschaffen. Es werden Stipendien vergeben und Ausbildungsplätze angeboten.
Das Thema soziale Förderung ist ein weites und vor allem komplexes Thema und man hatte in Südafrika bei weniger als Null anfangen müssen. Die Hauptverantwortung im Weinsektor lag bei den Farmbesitzern. Zu diesen Betrieben zählte oft eine Gemeinschaft an Arbeitern, die mit ihren Familien auf den Farmen lebten. Hier musste ein verändertes Bewusstsein und eine Vertrauensbasis gebildet werden. Es wurden Kitas, Kindergärten und Vorschulen aufgebaut. Das sind Sozialleistungen, die Südafrikas Regierung nicht bietet. Viele NGO’s engagieren sich, ebenso wie Landwirte, die mit den Arbeiterfamilien oft schon seit Generationen zusammenleben. Diffizilerer ist die Übertragung sozialer Standards auf die zahlreichen Immigranten die aus anderen Ländern Afrikas ans Kap kommen, dort Arbeit als Tagelöhner suchen, um ihre Familien zuhause zu versorgen.
Es ist ein langer Weg zum Frieden, lautet eines der bekanntesten Zitate von Nelson Mandela, dem ersten schwarzen Landespräsidenten. Liebevoll wird er auch Madiba – unser Vater genannt. Er hatte die Vision eines friedvollen Wandels und wusste, dass die stärkste Waffe nicht Vergeltung, sondern Bildung ist. Seiner starken Vision und seinem übergreifenden Charisma ist es zu verdanken, dass zahlreiche Südafrikaner, diese Chance nutzen und anpacken, um ein neues Südafrika zu gestalten. Erfolgsbeispiele gibt es viele – Protagonisten, die ihre Heimat im Weinsektor gefunden haben und heute für viele eine Vorbildfunktion innehaben.