Südafrikas Weinwirtschaft im Wandel

Die friedliche Beendigung der Apartheid, bedingt durch die selbst erklärte autoritäre weiße Vorherrschaft, erscheint noch immer vielen wie ein Wunder. Für Südafrikas Weinwirtschaft war der demokratische Regierungswechsel der Auftakt einer neuen Ära. Die Weinerzeuger haben seitdem vieles erreicht. Ihre exportieren Weinmengen sind von knapp 24,5 Millionen Liter (1993) auf rund 526 Millionen Liter im Jahr 2013 nahezu explodiert. Doch wer glaubt, Südafrika habe dies aufgrund einer unkontrollierten Erweiterung der Rebfläche geschafft, der irrt.

Faire Weinerzeugung gemäß WIETA

Die Verbesserung der sozialen Rahmenbedingungen für die Arbeiter in der Weinerzeugung genießt im südafrikanischen Weinsektor einen hohen Stellenwert. Rund 56 Prozent der 300.000 Arbeiter, die im Weinbereich tätig sind, sind ungelernte Arbeitskräfte und verdienen deshalb einen besondern Schutz und Unterstützung.In einem intensiven Multi-Stakeholder-Dialog,der die unterschiedlichen Perspektiven der Weinbranche repräsentiert, wurde in 2012 ein weitreichender Kriterienkatalog verabschiedet, der eine soziale und ethische korrekte Weinerzeugung garantiert.

BEE (Black Economic Empowerment)

25 Jahre nach Ende des Apartheidregimes zählt die Weinwirtschaft am Kap immer mehr sogenannte Black-Economic-Empowerment(BEE)-Betriebe. Das BEE-Programm ist ein staatliches Förderprogramm zur ökonomischen und sozialen Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung Südafrikas, das auf dem 2003 erlassenen Broad-Based Black Economic Empowerment Act basiert.
Der Gleichstellungsprozess in Südafrikas traditionsreicher Weinwirtschaft begann bereits Ende der 90er-Jahre mit der Gründung des South African Wine Industry Trust (SAWIT).

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1994 – der Aufbruch in eine neue politische Ära: Südafrikas friedvoller und langer Weg in eine moderne Demokratie. Die Welle der Transformation erfasste den südafrikanischen Weinsektor. Der gesellschaftliche Umbruch beinhaltete die Forderung nach Gleichberechtigung, sozialen Verbesserungen und nachhaltigem Wachstum für alle Menschen. Vor allem für diejenigen, die seit Generationen als Arbeiter mit ihren Familien anonym mit dem Weinbau verbunden waren. Inzwischen sind rund 291.000 Menschen  in der Weinwirtschaft Südafrikas tätig.

Auch nach 25 Jahren ist dieser Prozess mit vielen Herausforderungen gespickt. Doch vieles hat sich verändert und verbessert: Ausbildung, Gesundheitssystem, Arbeitsbedingungen und großes Bewusstsein für faires und ethisches Handeln. Erfolgreiche Modelle wurden entwickelt und eine transparente Infrastruktur ins Leben gerufen, die kontinuierliche Verbesserungen forciert. Vor allem ist vor allem, Transformation wird heute gemeinschaftlich bewerkstelligt. Involviert sind zahlreiche Akteure, die ihre Chance nutzen, Willenskraft und Tatendrang bewiesen. Heute wirken sie als Mentoren für ihre nachfolgenden Kollegen/-innen.

Einige dieser Protagonisten kommen in der WOSA-Dokumentation “Creating the Blend” zu Wort. Authentisch schildern sie ihren Werdegang, ihre Motivation und ihre Visionen. Ihr Blick ist nach vorne gerichtet. Den zukünftigen Generationen, der einst benachteiligten Bevölkerungsschichten soll es besser gehen als ihren Vorfahren. Für sie soll der Weinsektor eine attraktive Branche sein, wo sie Arbeit unter fairen Bedingungen finden. Sie sollen einen angemessenen Lohn erhalten, um ihre Familien ernähren zu können. Vor allem sollen sie befähigt werden, ihr kreatives Potenzial selbstbestimmt verwirklichen zu können.

Text: Petra Mayer

Hintergrund:

Wines of South Africa are proud to share the short documentary, ‘Creating the Blend’, which showcases a few of the phenomenal programmes and efforts that are active today. Programmes that enrich and add value on a range of levels to wine industry workers, including land ownership, education, health care, training and business opportunities. Key industry bodies, including the VinPro Foundation and Wine Industry Ethical Trade Association (WIETA) play a major role in creating opportunities for a fair and inclusive working environment along with a wide range of charities, auctions and protégé programs. 

In the last two decades, South African wines have taken a quantum leap forward. 2014 marks the 20th anniversary of our young democracy and we celebrate this milestone by underscoring just how far our wine industry has advanced since its readmission to world trade in the 1990s.

Cynthias Großvater lebte auf einer Weinfarm, so wie ihre Eltern und deren Kinder heute auch. Früher mussten die Mütter ihre Kinder mit in die Weinberge nehmen, da sie meistens niemanden hatten, der sich um die Kinder kümmern konnte. Das Fairhills Project brachte eine Veränderung in das Leben der Arbeiterinnen. Wenn ein Verbraucher eine Flasche Farhills Wein kauft, erhalten die Arbeiter eine Prämie. Aus diesen Geldern entstand die Kindertagesstätte von Cynthia Pieterson. Begonnen hat alles mit 8 – 15 Kindern, die in einem sehr kleinen Gebäude untergebracht waren. Inzwischen ist Cynthia Chefin von drei Kindertagesstätten. Das hört sich zu erst nach reichlich viel Arbeit an, doch Cynthia liebt ihre Arbeit mit den Kindern und genießt sie. „Als Erzieher muss man Kinder einfach lieben, denn sie kommen morgens in die Tagesstätte und werden für diesen Tag zu Deinem eigenen Kind“, so Cynthia Pieterson. In der Vergangenheit hatten Weinproduzenten ein Problem damit, dass die Mütter ihre Kinder mit zur Ernte in die Weinberge brachten. Dank Cynthias Kindertagesstätte hat sich dies nun geändert. Auch die Schulkinder können nach der Schule dort hinkommen, um ihre Hausaufgaben zu machen, denn meistens haben ihre Eltern am Abend keine Zeit mehr dafür. Die Arbeiter sind dankbar und froh darüber, was Fairhill für sie tut und auch die Kinder lieben die Tagesstätte. „Ich denke, jedes Kind möchte etwas in seinem Leben erreichen und Fairhill kann ihnen dabei helfen“, so Cynthia. Sie spricht gerne über das Projekt, wie alles begann und was sie bis heute erreicht hat. „Dieses Projekt hat das Leben der Arbeiter auf Fairhills komplett geändert und damit unseren Kindern hier eine gute Zukunft ermöglicht.“

„Education ist the most powerful weapon which you can use to change the world.“ Nelson Mandela

Ntsiki Biyela liebt Wein und die Arbeit damit. Vor allem das Blenden bei den Cuveés mag die Weinmacherin besonders. Die Krönung ist für sie allerdings, wenn sie jemanden ihre neuen Kreationen einschenken darf und ihn beim Verkosten beobachten kann. Ntsiki: „Manchmal muss ich gar nicht auf ihre Worte hören, oft reicht es sie nur anzuschauen und ich weiß, was sie denken.“ Bevor Ntsiki Biyela zur Weinmacherin wurde, kannte sie weder Weinberge noch hatte sie Wein vorher probiert. Eigentlich wollte Ntsiki Biyela Bauingenieurwesen studieren, doch dann bot ihr die South African Airways ein Stipendium für Weinbau an der Universität von Stellenbosch an und sie nutzte diese Gelegenheit. Für Ntsiki ist klar, dass dieser Lebensweg schon lange für sie vorgesehen war, noch bevor sie geboren wurde und das es ihre Berufung ist. Noch während des Studiums arbeitete sie bei Delheim, einem großen Weingut in Stellenbosch. Dort lernte sie vor allem die Leidenschaft und die Liebe zu Wein kennen. Für sie war es nie ein Problem Leute um Hilfe zu fragen und sie lernte eifrig, um eine gute Weinmacherin zu werden. Als sie ihre Arbeit nach dem Studium begann, waren die Besucher oftmals irritiert, sie kamen in den Keller auf der Suche nach dem Weinmacher, wenn sie ihnen sagte, dass sie die Weinmacherin sei, drehten sich die Leute um und gingen mit den Worten „Nein, nein ich meine den richtigen Weinmacher.“ Inzwischen kennt man Ntsiki und die Wahrnehmung ihr gegenüber hat sich geändert. Für Ntsiki ist das Leben und die Arbeit mit Wein ein Ausgleich. Für sie ist es wichtig, ihre Arbeit zu lieben und zu genießen. „Dann kann man am Ende eines Tages die Früchte harter Arbeit besonders genießen“, sagt sie stolz. Trotz ihres Erfolges hat Ntsiki nie vergessen, wo sie herkommt und auch wenn sie sich inzwischen an ihr neues Leben gewöhnt hat, genießt sie es noch immer nach Hause ins KwaZulu Natal zu fahren. Das Geheimnis ihres Glücks!? Es ist die Liebe!

„There is nothing like returning to a place that remains unchanged to find ways in which you yourself have altered.“ Nelson Mandela

Die Studentin Andisiwe Ketsiwe wurde am Western Cape geboren. Schon in Ihrer Kindheit begleitete sie Ihre Mutter zur Arbeit auf den Farmen. Es war keine einfache Zeit für die Familie, denn sie hatten kaum etwas zum Leben. Andisiwe hat als Einzige die Klasse 12 abgeschlossen. Mit viel Ehrgeiz schaffte sie den Schulabschluss, um ihr Leben und das Leben ihrer Familie zu ändern. Als sie das erste Mal von der Pinotage Youth Development Academy hörte, ergriff sie ihre Chance und nutzte sie. Diese Non-Profit-Organisation gibt jungen benachteiligten Südafrikaner eine Change ihr Leben zu ändern und hilft ihnen dabei eine Arbeitsstelle in der Weinwirtschaft zu finden. Am Anfang wusste Andisiwe nichts über die Weinherstellung und die verschiedenen Sorten. Inzwischen hat sie die Unterschiede gelernt und erkannte das Weinmachen eine ganz eigene Kunst ist. Ihr größter Wunsch ist es, ihren eigenen Wein zu kreieren. Das Schönste wäre für die junge Südafrikanerin, wenn Menschen ihren Wein probieren und sagen: „Verdammt, der Wein ist gut!“ Von Montag bis Freitag studiert sie in Stellenbosch und am Wochenende arbeitet Andisiwe auf dem Weingut Warwick Wine Estate. Damit verdient sie sich etwas dazu, um vor allem ihr Baby versorgen zu können. Zurzeit lernt Andisiwe die Geschichten hinter den Weinen kennen. All das bringt ihr Ntsiki Biyela bei, eine der wenigen schwarzen Weinmacherinnen in Südafrika. Ntsiki ist ihre Mentorin und für Andisiwe die Beste, die es gibt. Von ihr hat sie gelernt, was es heißt eine der besten Weinmacherin zu sein – ein guter Wein entsteht nur mit viel Liebe und das wiederum bringt persönliche Erfüllung. Die junge Nachwuchs Weinmacherin ist glücklich, dass sie diesen Beruf für sich gefunden hat und sie ist für die Hilfe von Pinotage Youth Development Academy sehr dankbar. „Früher habe ich die Dinge nicht ernst genommen, heute nutze ich meine Chancen, um ein besseres Leben zu leben.“

„The power of education extends beyond the development of skills. It can contribute to nation-building and reconciliation.“ Nelson Mandela

Rita Andreas ist 49 Jahre alt und gehört zur fünften Generation, die auf dem Weingut Bosman groß geworden ist. Rita musste als Kind nie erfahren, was Apartheid bedeutet, denn sie fühlte sich vom ersten Tag an, als Mitglied der Bosman Familie. Zu Beginn arbeitete sie mit den anderen auf den Feldern. 2002 wurde dann ihr Chef auf sie aufmerksam und gab ihr eine neue Stelle als Personalleiterin. 2007 startete Rita gemeinsam mit der Bosman Familie ein Black Empowerment Projekt und packte damit die Gelegenheit mit beiden Händen. Inzwischen gehört Rita Andreas zum Aufsichtsrat und ist Miteigentümerin des Unternehmens. Darauf ist sie sehr stolz. Mit ihrem Engagement und dem Vertrauen, welches sie genießt, versucht Siesie das, was man ihr ermöglicht hat, zurückzugeben. Für sie ist es eine Transformation des Herzens, wenn man vom einfachen Farmarbeiter aufsteigt und zusammen mit den Besitzern als Arbeitgeber fungiert. „Wenn ich zurückblicke und den Unterschied von damals zu heute sehen, dann kann ich es immer noch nicht fassen. Es ist unglaublich. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals zu einer Miteigentümerin einer großen Farm werde, auf der schon meine Vorfahren ein Teil lebten.“, so Rita Andreas. Die Bosman Farm bedeutet Rita alles und die Arbeit dort ist ihre Leidenschaft.

There is no passion to be found playing small – in settling for a life that is less than the one you are capable of living.“ Nelson Mandela

It was hard growing up in Lavender Hill, which is notorious for violence and gangsterism, and things became even harder for Zelda Petrus when she was widowed. Determined to make a life for herself and her young son, she worked her way up from tea lady/cleaner to cellar ambassador at Steenberg.

Unathi Mantshongo, viticulturist at Nederburg, had no idea what her degree entailed when she was awarded a bursary to study viticulture and oenology. Today she feels that she is at the ground roots of change in the South African wine industry.

Former gang member Glensten Sherman Pieterse turned his life around and found happiness working as a farrier on Waterkloof wine farm.

Vernon Henn, who grew up living hand to mouth on the Cape Flats, is the MD of Thandi Wines, which was the first BEE project in the agricultural sector in 1995. What motivates him every morning is creating a better life for the people of Thandi.

Last Mangachena, a recognised refugee who hails from Zimbabwe, arrived here with just R10 in his pocket and found a job with equal opportunity employer Waverley Hills as a gardener. Today this nature lover is an environmental officer who runs the nursery.

Doon Stevens grew up on Backsberg Estate, where he met and married his childhood sweetheart. Life was a struggle initially but today he is a cellar assistant who is passionate about winemaking and a proud homeowner.