Integrated Production of Wine, kurz IPW, ist ein freiwilliges Bewirtschaftsregelwerk mit konkreten Umweltanforderungen. Es gilt für Weinbau, Kellerwirtschaft und Abfüllung. Die südafrikanische Weinwirtschaft etablierte das Scheme 1998. Der Jahrgang 2000 war der erste, der danach zertifiziert wurde. Zuständig ist heute die Wine Certification Authority (WCA, bis August 2023 Wine and Spirit Board).
IPW erhebt nach eigenen Angaben den Anspruch, internationalen Nachhaltigkeitskriterien zu entsprechen. Dazu zählen die „Global Wine Sector Environmental Sustainability Principles“ der International Federation of Wine and Spirits (FIVS) und die Leitlinien der Internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) zu nachhaltiger Weinerzeugung, -verarbeitung und -verpackung. Damit beschreibt IPW klar umrissene Produktionsanforderungen – nicht die vollständige Nachhaltigkeit eines Weins.
Teilnehmende Farmen, Kellereien und Abfüllbetriebe reichen jährlich eine dokumentationsgestützte Selbstevaluation ein. Zusätzlich finden unabhängige Audits statt. Die IPW-Audit-Policy sieht für registrierte Betriebe mindestens eine unabhängige Prüfung innerhalb von drei Jahren vor. Als Drittprüfstelle ist Enviroscientific benannt.
Werden Anforderungen nicht erfüllt, sieht das System eine Korrekturfrist vor. Danach kann ein erneutes Audit nötig werden. Ohne ausreichende Korrektur kann die Zertifizierung ausgesetzt werden. Falsche Angaben oder Unterlagen können zur Dezertifizierung führen.
Was die Guidelines konkret prüfen
IPW gliedert sich in zwei parallele Regelwerke: eines für den Weinberg, eines für Kellerei und Abfüllung. Beide folgen demselben Prinzip. Einzelne Kriterien werden im Selbstevaluationsverfahren bepunktet. Unabhängige Audits prüfen die Angaben stichprobenartig nach.
Für den Weinberg deckt der Katalog unter anderem ab: Schutz und Pflege der Farm- und Weinbergsumgebung, Boden- und Geländebewirtschaftung, Sortenwahl und Unterlagen, Anbaumethoden und Begrünung, Nährstoff- und Bewässerungsmanagement, Rückschnitt und Erziehungssystem, Ertrags- und Laubmanagement, Wachstumsregulatoren sowie integrierten Pflanzenschutz und Chemikalienumgang.
Für Kellerei und Abfüllung umfasst er unter anderem: Energieverbrauch und CO₂-Emissionen, Qualität und Temperaturmanagement der angelieferten Trauben, Instandhaltung von Anlagen, SO₂-Grenzwerte im abgefüllten Wein, Umgang mit lebensmittelechten Chemikalien und Zusatzstoffen, Abwassermanagement, Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Festabfall-Management, Lärmschutz sowie Verpackungsmaterial.
Jedes Kriterium wird einzeln bewertet und in einen Gesamtscore überführt. Für die Zertifizierung ist je nach Betriebstyp und Flächenkategorie ein Mindestscore von etwa 65 bis 70 % erforderlich. IPW ist damit ein Punktesystem über klar definierte Produktionsschritte – keine pauschale Öko- oder Nachhaltigkeitsbewertung des fertigen Weins.
Schulung als Teil des Systems
IPW-Schulung ist kein freiwilliges Zusatzangebot. Sie ist fester Bestandteil der Selbstevaluation: Sowohl im Farm- als auch im Kellerei-Manual bildet „IPW Training“ die erste von mehreren bepunkteten Prüfkategorien. Die zugehörigen Guidelines und Manuals – aktuell in 14. Auflage, Stand August 2026 – werden auf der IPW-Website veröffentlicht. Sie werden bei Bedarf laufend aktualisiert, etwa bei neu registrierten Chemikalien oder geänderter Gesetzeslage.
Das gemeinsame WO/IPW-Siegel: zwei Zertifizierungen, ein konkreter Wein
Seit dem Jahrgang 2010 gibt es ein gemeinsames, freiwilliges WO/IPW-Siegel. Es bestätigt für den jeweiligen Wein sowohl die Wine-of-Origin- als auch die IPW-Zertifizierung.
Ein separates Siegel für die reine WO-Zertifizierung bleibt daneben verfügbar. Wer auf dem Etikett Herkunft, Rebsorte oder Jahrgang angibt, benötigt dafür die entsprechende Zertifizierung – die Bezeichnung „W.O.“ und der Begriff „certified“ sind nach dem Liquor Products Act nur zertifizierten Weinen vorbehalten.
Das IPW-Siegel wird ausschließlich an Weine vergeben, die auch tatsächlich in Südafrika abgefüllt wurden, und zwar in einer IPW-zertifizierten Kellerei oder Abfüllanlage. Im Ausland abgefüllter südafrikanischer Wein kann das Siegel folglich nicht tragen.
Über die öffentliche Siegelnummer – neuerdings einem QR – Code – lässt sich prüfen, ob ein Wein zertifiziert ist und welche Produktdaten hinterlegt sind. Diese Abfrage schafft eine praktische Verbindung zwischen Flasche und Zertifizierungsdatensatz. Sie ersetzt jedoch nicht die Einsicht in Selbstevaluationen oder Auditunterlagen.
Damit ist die Aussage des gemeinsamen Siegels konkret: Es verbindet die zertifizierten WO-Angaben mit der IPW-Zertifizierung dieses Weins. Daraus folgt kein pauschales Versprechen, der Wein sei in jeder Hinsicht nachhaltig. Nach Angaben der südafrikanischen Weinwirtschaft werden heute über 95 % der Rebflächen nach IPW-Richtlinien bewirtschaftet.
Mehr zum Wine-of-Origin-System, seiner Herkunftshierarchie sowie den Wards und Districts erfahren Sie in unserem eigenen Grundlagenartikel „Wine of Origin“.





