Leise. Bedächtig. Wohlgesonnen. Hilfsbereit. Freundlichkeit, gepaart mit einer außerordentlichen Brise Gelassenheit.

Peter Gebler, Cape Wine Master, ist von uns gegangen. Bescheiden und in aller Stille. Seine Leidenschaft galt dem Wein, insbesondere dem südafrikanischen – der war seine Herzensangelegenheit. Die südafrikanische Weinwirtschaft und ich persönlich als langjährige Vertreterin von Wines oft South Africa in Deutschland, wir haben Peter Gebler viel zu verdanken. Mit seinem profunden Wissen und seinem beruflichen Engagement an namhaften Hotelfach- und Sommelierschulen, hat der gebürtige Südafrikaner viel dazu beigetragen, dass die Weine vom Kap hierzulande eine hohe Wertschätzung erfahren.

Aufgewachsen ist Peter Gebler in Johannesburg. Dort besuchte er eine deutsche Schule, später studierte er Marketing und Betriebswirtschaft. Neben seiner pharmazeutischen Tätigkeit entdeckte er schon früh seine Passion für Wein. Er absolvierte zahlreiche Weinlehrgänge, wie z. B. die Cape Wine Academy, die er erfolgreich mit dem Titel „Cape Wine Master“ abschloss. Im Jahr 1991 wagte er als Importeur für südafrikanische Weine den Sprung nach Deutschland. Das war zu der damaligen Zeit, vor dem politischen Umschwung des Landes, ein mutiges Unterfangen. Vor rund dreißig Jahren waren die Türen und Herzen für südafrikanische Weine weltweit nahezu verriegelt.

Unsere Wege kreuzten sich 1997 und aus seinem anfänglich kritischen Mustern, wer diese Botschafterin im Auftrag von Wines of South Africa wohl sei, wurde eine beständige kollegial-freundschaftliche Zusammenarbeit. Gerne vermittelten wir Peter Gebler als Referent und Botschafter für das Weinland Südafrika. Viele Jahre seines Lebens widmete er der Ausbildung von Sommeliers und weinaffinen Fachkräften für die Gastronomie. Er lehrte als Dozent für Wein und Kommunikation an der deutschen Wein- und Sommelierschule in Koblenz. 2018 wechselte er zum International Wine Institute an die Ahr unter der Leitung von Alexander Kohnen. In all diesen Jahren blieb er Südafrika aufs Innigste verbunden. Zahlreichen Menschen vermittelte er sein fundiertes Wissen und stärkte damit das Interesse an südafrikanischen Weinen.

Ich schätzte Peter Gebler sehr für sein umfassendes Fachwissen und seine Faktensicherheit. Darüber hinaus wurde er für mich zu einem empathischen Mentor, wenn es galt, die Eigenheiten seiner Landsleute besser zu verstehen. Ob mit seinem trockenen Humor, seinen treffenden Kommentaren oder einem kurzen Schulterzucken – Peter schaffte es immer wieder, mir auch in kritischen Momenten Gelassenheit und neuen Mut zu vermitteln.

Während ich mich nun mit dem Gedanken vertraut mache, dass Peter Gebler nicht mehr da sein soll, ziehen viele Erinnerungen an unser gemeinsames Wirkens vor meinem geistigen Auge vorbei. Dabei denke ich z. B. an unseren WoSA-Sommelierwettbewerb. Seit 2010 war Peter Gebler unser Mastermind im Hintergrund. Seiner Feder entsprangen viele der fachlichen Fragen. Sein hoher Anspruch war für uns Garant einer verlässlichen Bewertung und sein wacher Geist trug zu einem erfolgreichen Ablauf des Wettbewerbes bei.

Lieber Peter, meine Hochachtung gilt vor allem Deiner Beharrlichkeit, Deiner Verlässlichkeit und auch Deiner Begeisterung. Wenn es um Wein und insbesondere aus Südafrika ging, wirktest Du irgendwie freudig beseelt. Es war eine gewisse Leichtigkeit spürbar, wenn Du von Deinem Land, den Menschen, der dynamischen Entwicklung der Weinwirtschaft und den Weinen erzählen konntest. Da spürte ich den jungen Peter Gebler, der sich einst in dieses Thema verliebte. Im Grunde Deines Herzens warst Du doch ein mutiger Pionier, der einst auszog, um dazu beizutragen, dass seine Heimat gebührende Wertschätzung erfährt. Das lieber Peter, ist Dir mit Deinem Engagement vollends gelungen.

“Peter Gebler, die graue leise Eminenz des südafrikanischen Weines” – jetzt bist Du gegangen. Möge sich Dein Motto: „Es ist noch immer gut gegangen!“ auch bei Deiner letzten Herausforderung in diesem Leben bewährt haben. In stillem Gedenken an unsere gemeinsame Zeit erhebe ich einen 1998 Kanonkop Pinotage „Cape Winemaker Guild“ auf Dich. Ruhe in Frieden.

8. Mai 2020 – Petra Mayer, Baden-Baden