Stellenbosch. Zölle, Kosten, unsichere Märkte: Die südafrikanische Weinwirtschaft steht unter Druck. Zugleich sieht sie klare Chancen für Wachstum, Innovation und Wandel. Beim zweiten South Africa Wine Summit am 22. Mai 2025 kamen über 300 Branchenvertreter:innen, Expert:innen und Innovator:innen zusammen. Treffpunkt war das Konservatorium der Universität Stellenbosch. Im Mittelpunkt standen Nachhaltigkeit, Technologie, neue Märkte und das Verhalten der Konsument:innen.

„Heritage und Innovation sind keine Gegensätze“, betonte Rico Basson, CEO von South Africa Wine. „Wir müssen unsere 366-jährige Geschichte nutzen, um den Wandel voranzutreiben – mit Daten, Know-how und Mut.“ Gemeint ist die Weinbaugeschichte am Kap, die 1659 mit dem ersten gekelterten Wein begann.

Wirtschaftlicher Gegenwind – aber auch Chancen

Daneel Rossouw leitet den Agrarvertrieb der Nedbank, die den Summit als Hauptsponsor unterstützte. Er beschrieb, wie neue US-Zölle die Lage zusätzlich verschärfen. Hinzu kommen Steuererhöhungen und die Konkurrenz durch andere alkoholische Getränke. Zugleich erinnerte er an das wirtschaftliche Gewicht der Branche: Sie trägt rund 56 Milliarden Rand zur Wirtschaftsleistung bei und steht für 270.000 Arbeitsplätze. Diese Zahlen müssten die Grundlage politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen sein.

Rossouw warb für mehr strategische Partnerschaft. „Banken sind längst nicht mehr nur Geldgeber“, sagte er. Seine Bank begleite Unternehmen heute auch als Handelsberater, beim Marktzugang und bei Nachhaltigkeitsvorhaben.

Anpassungsfähigkeit als Zukunftskompetenz

In einem waren sich die Redner:innen einig: Die Weinwirtschaft am Kap braucht eine neue Denkweise. Nicky Weimar, Chefvolkswirtin der Nedbank, bezeichnete globale Unsicherheit als die neue Normalität. Zu den geopolitischen Risiken kommen steigende Kosten, Probleme bei der Infrastruktur und fragile Handelsbedingungen. All das belastet die Wettbewerbsfähigkeit.

Es gibt aber auch positive Signale. Konsum und Einkommen steigen wieder, der Binnenmarkt erholt sich. Und der Weintourismus wächst, vor allem dank neuer Zielgruppen und digitaler Angebote.

Tourismus, Technologie und junge Zielgruppen

Inzwischen entfallen 58 Prozent der Übernachtungen in den Cape Winelands auf Gäste aus dem Inland. Marisah Nieuwoudt (South Africa Wine) und Melanie Leloup (South African Tourism) betonten, wie viel Erlebnisse, persönliche Empfehlungen und Familienfreundlichkeit bewirken. Sarel Meyer (Stettyn Family Vineyards) und Megan van der Merwe (Beau Constantia) zeigten, wie Weingüter junge Gäste gezielt erreichen. Dafür nutzen sie digitales Kundenmanagement, WLAN-gestützte Besucheranalysen und ein durchdachtes Erlebnisdesign.

Ernte 2025: Qualität trotz Extremen

Dr. Etienne Terblanche von der Branchenorganisation Vinpro sprach von einem „resilienten Jahrgang“. Trotz Hitze, Trockenstress und Spätfrost zeigen die Weine eine ausgewogene Frische. Die Winzer Eben Sadie und Charles Hopkins lobten die stilistische Präzision vieler Weine. Sie sei das Ergebnis kluger Entscheidungen in einem schwierigen Jahr.

Zukunft beginnt jetzt

„Transparenz ist das neue Muss“, sagte die Daten- und KI-Expertin Joanna Dabrowska. KI, Datenanalyse, neue Verpackungskonzepte und digitale Kommunikation seien keine Trends mehr. Sie bildeten die neue Basis des Wettbewerbs. Doris Viljoen vom Institute for Futures Research der Universität Stellenbosch rief dazu auf, „den Wandel mutig zu gestalten und offen für neue Allianzen zu sein“.

Brandon de Kock (WhyFive) richtete den Blick auf die jüngere Generation: „Die jungen Zielgruppen trinken selektiver – aber suchen Qualität, Authentizität und Klarheit.“ Dazu nannte er eine bemerkenswerte Zahl: Von über 1.000 Marken erzielen nur vier Prozent den Großteil des Umsatzes. Seine Botschaft an die Branche lautete, dass Marken Profil, Einfachheit und eine emotionale Bindung brauchen.

Fazit: Südafrikas Weinwirtschaft braucht Partnerschaft und Strategie

Dr. Ivan Meyer, Minister für Landwirtschaft, Wirtschaftsentwicklung und Tourismus der Provinz Westkap, rief zu Geschlossenheit auf: „Wir müssen unsere Handelsabkommen schützen, neue Märkte erschließen und gemeinsam Verantwortung übernehmen – für Transformation, Jugendförderung und wirtschaftliche Resilienz.“ Und weiter: „Landwirte pflanzen nicht nur Reben – sie pflanzen Hoffnung. Lasst uns anstoßen – auf die Zukunft südafrikanischer Weine.“

Über South Africa Wine
South Africa Wine ist die Dachorganisation der südafrikanischen Weinwirtschaft. Sie bündelt Wissen und Interessen der Branche und setzt sich für ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit ein.

Dieser Beitrag erschien im Mai 2025 und gibt den damaligen Stand wieder.