Old Vine Project – Südafrika zertifiziert seine "Alte Reben"

Südafrikas Weinwelt wird weltweit für die verbesserte Weinqualität und innovative Projekte gelobt. Der Blick auf die kommende CapeWine 2018 (www.capewine2018.com) bestätigt die anhaltende Dynamik der Südafrikaner, mit Neuheiten für Aufmerksamkeit zu sorgen. Eine neue Weingeneration setzt bunte Impulse. Visionäre Projekte wie das „Old Vine Project“ stärken das Bewusstsein für das heimische Terroir und sollen die Einkommenssituation für die Landarbeiter verbessern. Das Fundament und gleichzeitig die treibende Kraft für den steten Wandel und Lösungen auf die aktuell großen Herausforderungen sind die Menschen und ihre Schaffenskraft. Wichtige Aufgabenfelder für die Weinwirtschaft sind die Aufwertung der sozialen Rahmenbedingungen und die Verbesserung der Einkommenssituation für die Landarbeiter inklusive der vielen saisonalen Arbeitskräfte. Gefordert ist eine Steigerung der Wertschöpfung. Laut VINPRO, dem südafrikanischen Weinbauverband, wirtschaftet nur ein Drittel der rund 2.500 Farmer rentabel. Steigen die Erlöse, steigen auch die betrieblichen Investitionen. Pro Million Rand, die investiert werden, können im Weinsektor rund 4,64 Arbeitsplätze geschaffen werden. Im Zeitraum von Juli 2016 bis Juni 2017 investierten die Weinfarmer rund 125 Millionen Rand. Damit wurden u. a. 172 soziale Projekte gefördert. Zudem konnten 738 Arbeiter an offiziellen Schulungen teilnehmen.

Die Ernsthaftigkeit mit der die Weinerzeuger die soziale Dimension ihrer Weinqualität steigern wollen, belegen auch die wachsenden Mitgliederzahlen bei der WIETA – der Wine Industry Trading Association. Diese Organisation kümmert sich vor allem darum, dass die Produzenten und Farmer ethische Richtlinien einhalten. Der im Jahr 2012 vorgestellte WIETA-Kodex ist der weltweit erste Sozialstandard für den Weinsektor. In Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Interessensverbänden wurde gewährleistet, dass die Kriterien vor allem die Belange der ehemals benachteiligten Bevölkerungsgruppen umfassend abdecken. Die rechtliche Basis fußt auf der Sozialgesetzgebung des Landes und den Anforderungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

Die WIETA versteht sich nicht in erster Linie als Zertifizierungsorganisation, auch wenn inzwischen bereits 66 Prozent der südafrikanischen Weine dem strikten Regelwerk entsprechend zertifiziert wurden. Ein betriebliches Audit bildet aus Sicht der WIETA nur eine Momentaufnahme in einem Betrieb ab. Die WIETA richtet das Augenmerk auf eine umfassende Beratung und Schulung von Arbeitern und Farmeigentümern. Es bedarf an vertrauensbildenden Maßnahmen, Schulungen und Aufklärung über Rechte und Pflichten, die alle am Arbeitsprozess Beteiligten umfasst. Die Schaffung einer nachhaltigen Infrastruktur und die Förderung eines ethischem Bewusstseins bilden die Grundlage, dass soziale Maßnahmen nicht nur für ein Audit hergerichtet werden, sondern dass sich das Lebensumfeld und das Miteinander fair und vertrauensvoll gestalten. WIETA steht zudem in engem Dialog mit den globalen Organisationen wie der Business Social Compliance Initiative (BSCI), um die Weinerzeuger dabei zu unterstützen, ihren Verhaltenskodex in der Lieferkette adäquat umzusetzen. Die Transformation des Weinsektors geht voran. Die Konzepte und Projekte sind sehr unterschiedlich. Es gibt inzwischen 50 Black Owned Brands. Dabei handelt es sich vorwiegend um Weinmarken, die von schwarzen Südafrikanern wirtschaftlich vertreten werden. Wesentlich für die Schaffung einer tragfähigen Zukunft ist, dass die Arbeiter und auch die Mitarbeiter in leitenden Positionen gut ausgebildete Fachkräfte sind. Damit verbessern sich die Einkommenssituation, das Bildungsniveau und die Zusammenarbeit und es entstehen neue Ideen und Impulse. Weil durch ein friedvolles Miteinander auch die Begeisterung für Wein und seine Kultur wächst, wird diese Qualitätsdynamik in einem noch besseren Weingeschmack erlebbar sein.

Links:

www.wieta.org.za

www.vinpro.co.za

Soziale Facetten der südafrikanischen Weinwelt: Social Stories

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