Die südafrikanische Wein- und Brandybranche ist eine wichtige Stütze der Volkswirtschaft. Sie trägt zum Bruttoinlandsprodukt bei, schafft Arbeitsplätze und stärkt den Tourismus. Das zeigt eine Studie von FTI Consulting über das Jahr 2022. Eine Begleitstudie von I and M Futureneer Advisors hat zudem den Weintourismus untersucht. Er ist für viele Weingüter zu einer tragenden Einnahmequelle geworden.
Weintourismus: mehr als vor der Pandemie
2022 trug der Weintourismus 9,3 Milliarden Rand zur südafrikanischen Wirtschaft bei. Damit lag er deutlich über dem Niveau vor der Pandemie: 2019 waren es 7,2 Milliarden Rand.
„Der Anteil des Weintourismus am Gesamtumsatz der Weingüter stieg von 14,7 Prozent im Jahr 2019 auf 17,3 Prozent im Jahr 2022. Das unterstreicht seine zentrale Rolle als Einnahmequelle“, sagt Rico Basson, Geschäftsführer von South Africa Wine.
Besonders wichtig ist der Weintourismus für kleine Betriebe. Rund 400 der insgesamt 523 Weingüter sind Kleinst- und Kleinbetriebe. Bei ihnen stammen 36,3 Prozent des Gesamtumsatzes aus touristischen Angeboten. „Diese Zahlen zeigen, wie wichtig der Weintourismus für die Existenzsicherung unserer Branche ist“, so Basson.
56,5 Milliarden Rand für die Volkswirtschaft
2022 trug die Wein- und Brandybranche insgesamt 56,5 Milliarden Rand zur südafrikanischen Wirtschaft bei. Das entspricht 0,9 Prozent des BIP. Die Branche setzt damit wirtschaftliche Aktivität in vielen anderen Sektoren in Gang.
Auch für den Staat ist sie eine wichtige Einnahmequelle. Ihr Steuerbeitrag lag bei 19,26 Milliarden Rand. Das sind rund 1,23 Prozent der gesamten Steuereinnahmen im Finanzjahr 2022.
Gebremstes Wachstum
Die Studie benennt auch, was das Wachstum stark gebremst hat:
- das mehr als 200 Tage dauernde Alkoholverkaufsverbot während der Pandemie
- politische Unsicherheit
- mangelnde Verfolgung des illegalen Alkoholhandels
- Probleme in den Häfen und umgeleitete Frachten
- geopolitische Störungen
Das hat Erzeuger und Kellereien finanziell stark belastet. Investitionen in künftiges Wachstum kamen langsamer voran.
Neuer Index zeigt regionale Unterschiede
Mit der Studie wurde der Community Economic Resilience Index (CERI) eingeführt. Er zeigt, wie verletzlich einzelne Regionen wirtschaftlich sind, zum Beispiel in den Cape Winelands. Die Daten machen deutlich, wo gezielte Unterstützung nötig ist.
„Der Index spiegelt unser Ziel wider, landesweite Herausforderungen präzise und entschlossen anzugehen“, sagt Basson. „Die CERI-Werte zeigen, gerade in den Cape Winelands, wie unterschiedlich die wirtschaftliche Lage innerhalb unserer Branche ist. Das verlangt einen maßgeschneiderten Ansatz und strategische Zusammenarbeit.“
Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Branche ist auch der Masterplan für Landwirtschaft und Agroindustrie (AAMP). Dringend angegangen werden müssen demnach der Hafen von Kapstadt, ein besserer Marktzugang durch Handelsförderung, politische Verlässlichkeit und die Durchsetzung bestehender Gesetze.
Starker Motor für Arbeitsplätze
Die Wein- und Brandybranche sichert 270.364 Arbeitsplätze. Das sind 1,8 Prozent aller Beschäftigten in Südafrika. Die Stellen verteilen sich über verschiedene Sektoren, Qualifikationsniveaus und Bevölkerungsgruppen. Allein Weinbau und Weinherstellung auf rund 89.000 Hektar (Stand 2022) sichern 85.962 Arbeitsplätze.
Wie stark die Branche in die Gesamtwirtschaft hineinwirkt, zeigen die Multiplikatoren der Studie:
- Wertschöpfung: Je 1 Million Rand Umsatz entstehen 1,57 Millionen Rand Wertschöpfung in der Volkswirtschaft. Das liegt über dem Landesdurchschnitt.
- Beschäftigung pro Umsatz: Je 1 Million Rand Umsatz entstehen 7,51 formelle und informelle Arbeitsplätze. Der südafrikanische Durchschnitt liegt bei 6,58.
- Folgejobs: Jeder Arbeitsplatz in der Weinwirtschaft schafft 2,15 weitere in anderen Branchen.
„Die südafrikanische Wein- und Brandybranche ist ein Leuchtturm wirtschaftlicher Widerstandskraft“, sagt Basson. „Sie leistet einen bedeutenden Beitrag zu BIP, Beschäftigung, Tourismus und Staatseinnahmen. Strategische Zusammenarbeit und verlässliche Unterstützung werden das nachhaltige Wachstum dieser wichtigen Branche sichern.“
South Africa Wine will die Branche mit einer abgestimmten Strategie in die Zukunft führen. Im Mittelpunkt stehen Innovation und stabile Märkte.





