Stand: Frühjahr 2022 – Nach zwei Pandemiejahren kommt Südafrikas Weinwirtschaft wieder in Bewegung. Die Exporte wachsen, und die ersten internationalen Gäste kehren in die Weinregionen zurück. Gleichzeitig stehen große Aufgaben an: der Klimawandel, die Transformation der Branche und der Neustart im Weintourismus. In einem Punkt sind sich die Verantwortlichen einig: Lösen lassen sich diese Aufgaben nur gemeinsam.

Exporte: mehr Menge, mehr Wert

2021 exportierte Südafrika 388 Millionen Liter Wein. Das waren 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Exportwert stieg um 12 Prozent auf 10,2 Milliarden Rand. Und das trotz erheblicher Störungen im Hafen von Kapstadt und weltweit knapper Frachtkapazitäten.

Größter Exportmarkt bleibt das Vereinigte Königreich, mit stetigem Wachstum bei Menge und Wert. Zu den wichtigsten Abnehmern zählen außerdem Deutschland, die USA, Kanada und mehrere afrikanische Länder. Besonders stark legten die Ausfuhren nach China zu.

„Der Handel mit China ruht wegen des jüngsten Covid-19-Ausbruchs derzeit. Doch Australien hat dort an Boden verloren, und das gibt Südafrika die Chance, seinen Marktanteil auszubauen“, sagt Siobhan Thompson, CEO von Wines of South Africa (WoSA), der Exportorganisation der Branche.

Noch ist offen, wie stark der Krieg in der Ukraine und die anhaltenden Transportprobleme die Branche treffen werden. Das betrifft die Lieferzeiten im Export, die Verfügbarkeit von Betriebsmitteln und die Kosten. Diese Herausforderungen treffen allerdings Weinerzeuger weltweit.

Weintourismus: Die Gäste kommen zurück

Für die Weingüter ist der Tourismus weit mehr als ein Zusatzgeschäft. 2019 erwirtschafteten sie rund 15 Prozent ihres Gesamtumsatzes mit Besuchern. Der Weintourismus trug damals 7,2 Milliarden Rand zum Bruttoinlandsprodukt bei.

„Weintourismus schafft Arbeitsplätze, bringt Einnahmen und macht unsere Weine im Ausland bekannt“, sagt Siobhan Thompson. „Wir sind dankbar, dass die Besucherzahlen in unseren Weinregionen wieder stetig steigen.“ Mit der Pandemie brach der Umsatz 2020 auf 2,7 Milliarden Rand ein. 2021 waren es wieder 4,1 Milliarden Rand, für Ende 2022 werden 5,7 Milliarden Rand erwartet. „Wir sind auf dem besten Weg, den Einbruch im internationalen Tourismus zu überwinden“, sagt Marisah Nieuwoudt, Managerin für Weintourismus bei Vinpro.

Noch kommen weniger internationale Gäste, vor allem unter der Woche. Doch die Stimmung hat sich gedreht. „Es gibt neue Angebote, und viele Veranstaltungen finden wieder statt“, sagt Nieuwoudt. „Gemeinsam wollen wir Südafrika als weltweit führendes Ziel für Weintourismus positionieren.“ Die Weingüter setzen dabei auf hochwertigere Angebote und wollen international wettbewerbsfähig bleiben. Es geht auch um Arbeitsplätze: Fast 36.000 Menschen leben direkt oder indirekt vom Weintourismus.

Transformation: The Wine Arc

Ein Projekt, das Tourismus und Wandel verbindet, ist The Wine Arc in Stellenbosch. Das Markenhaus mit Besucherzentrum öffnete Ende 2021. „Damit begann ein neuer Wachstumspfad für Weinmarken in Schwarzem Besitz“, sagt Wendy Petersen, Geschäftsführerin der South African Wine Industry Transformation Unit (SAWITU). Hinter dem Projekt stehen SAWITU, der Agricultural Research Council (ARC) und das Landwirtschaftsministerium der Provinz Westkap. The Wine Arc ist Teil der übergreifenden Transformationsstrategie der Branche. Es bietet Schwarzen Markeninhaberinnen und Markeninhabern eine gemeinsame Geschäftsplattform. Außerdem erhalten sie besseren Zugang zu Absatzmärkten und zum Onlinehandel. Bei Verkostungen, Veranstaltungen und Konferenzen kommen die Marken direkt mit Weinfreunden in Kontakt.

„Wir wollen Weinmarken und Unternehmen in Schwarzem Besitz stärken, ebenso Schwarze Winzer, Landarbeiterinnen und Landarbeiter und ihre Gemeinden“, sagt Petersen. Im Mittelpunkt steht der gleichberechtigte Zugang zu Kellereien mit Lager- und Produktionsanlagen, zu bewirtschaftetem Land und zu Wasserrechten. Hinzu kommen Marktzugang sowie Programme für Weiterbildung und sozioökonomische Entwicklung.

„Wir brauchen alle: Branche, Regierung, Arbeitgeber und Beschäftigte“, sagt Petersen. „Nur so entsteht eine Weinwirtschaft, die stärker transformiert und integrativer ist und langfristig trägt.“

Nachhaltigkeit: Systeme, die man kennen sollte

Südafrikas Weinbranche arbeitet seit Jahrzehnten mit Regelwerken und Prüfsystemen, teils gesetzlich (Wine of Origin), teils freiwillig (IPW, WIETA). Gleichzeitig wollen immer mehr Verbraucher wissen, wie ihr Wein erzeugt wird. „Dieses Interesse sollte unsere Branche stärker nutzen“, sagt Siobhan Thompson. Voraussetzung dafür ist, dass Handel, Medien und Weinfreunde die bestehenden Systeme besser kennen:

  • das Herkunftssystem Wine of Origin, das Angaben zu Herkunft, Jahrgang und Rebsorte bestätigt,
  • das Umweltprogramm Integrated Production of Wine (IPW) mit Richtlinien für Weinberg und Keller,
  • die ethischen Standards von Fairtrade und der Wine and Agricultural Ethical Trading Association (WIETA), die sich mit Arbeitsbedingungen befassen,
  • das Programm Conservation Champions des WWF South Africa für Betriebe, die sich besonders für den Naturschutz einsetzen.

Eine Bühne dafür ist die CapeWine, Südafrikas internationale Weinmesse, vom 5. bis 7. Oktober 2022 in Kapstadt. Unter dem Motto „Sustainability 360“ zeigen die Aussteller neben ihren Weinen auch, wie sie mit Umwelt, Menschen und Wertschöpfung umgehen. „Wir laden Einkäufer und Medien aus aller Welt ein, unsere Weine zu probieren und unsere Weinregionen zu entdecken“, sagt Thompson.

Anpassung an den Klimawandel

Die Saison 2021/22 war kühler als üblich, und die meisten Regionen hatten genug Wasser. Die Dürre von 2016 bis 2019 hat die Branche aber nicht vergessen. Deshalb forschen Branche und Erzeuger kontinuierlich dazu, wie sich der Weinbau an den Klimawandel anpassen lässt.

„Wir wollen Winzern helfen, auch unter veränderten Klimabedingungen hochwertige Trauben und Weine zu erzeugen, rentabel und auf Dauer“, sagt Gerard Martin, Geschäftsführer von Winetech. Die Organisation finanziert und koordiniert Forschung zu Bewässerungsstrategien, zum Verhalten der Reben unter Wasserstress, zu trockenheitsresistenten Sorten und Unterlagen sowie zum Abwassermanagement.

In den Weinbergen zeigt sich das ganz praktisch. „Eine gute Bodenvorbereitung vor der Pflanzung fördert starke Wurzeln, die Wasser effizient aufnehmen“, erklärt Conrad Schutte, Weinbauberater bei Vinpro. „Begrünte Rebzeilen verringern Wasserverluste nach Regen und durch Verdunstung. Und wer den Wasserstatus von Boden und Pflanze misst, kann gezielt und im richtigen Abstand bewässern.“

Gemeinsam statt allein

„Die Akteure der südafrikanischen Weinwirtschaft tragen unsere praxisorientierte Nachhaltigkeitsstrategie und unseren Wachstumskurs mit“, sagt Rico Basson, CEO von Vinpro. „Wir setzen weiter auf gemeinsame Entscheidungen, sozialen Dialog und Partnerschaften in der Landwirtschaft. Die Herausforderungen der Zukunft können wir nur gemeinsam bewältigen. Unser Ziel ist eine stabile und florierende Weinbranche, so wie wir sie uns für die nächste Generation wünschen.“