Eine Auszeichnung für „Mr Bubbles“ – und für Cap Classique. Kaum ein Name ist so eng mit der Entwicklung von Cap Classique verbunden wie Pieter Ferreira. Seit mehr als vier Jahrzehnten widmet sich der südafrikanische Winzer der traditionellen Flaschengärung und der sprichwörtlichen Suche nach der perfekten Perlage. Nun wird sein Lebenswerk international gewürdigt: Die International Wine Challenge (IWC) zeichnet Ferreira 2026 mit ihrem Lifetime Achievement Award aus. Damit ist er erst der zweite Südafrikaner, dem diese besondere Ehrung zuteilwird. Vor ihm erhielt Charles Back von Fairview den Award im Jahr 2014.

Für Ferreira selbst geht die Bedeutung der Auszeichnung jedoch weit über seine eigene Karriere hinaus. Er versteht sie zugleich als Anerkennung für Cap Classique und für all jene Produzenten, die den südafrikanischen Schaumwein über Jahrzehnte weiterentwickelt haben. „Ich fühle mich unglaublich geehrt durch diese internationale Anerkennung der IWC“, sagt Ferreira. Gleichzeitig sei der Preis für ihn auch eine Würdigung von Cap Classique, „dem Schaumwein-Juwel vom Kap“, und aller Menschen, die zu dessen Entwicklung beigetragen haben.

Vier Jahrzehnte im Zeichen der Perlage

Ferreiras Karriere begann 1984 bei Achim von Arnim und Pierre Jourdan in Franschhoek, damals Südafrikas erstem Weingut mit einer konsequenten Spezialisierung auf Cap Classique. Nach weiteren Erfahrungen während Weinlesen in der Champagne wechselte er 1990 zu Graham Beck. Mehr als drei Jahrzehnte prägte Ferreira dort die Stilistik und Qualitätsphilosophie des Hauses und trug wesentlich dazu bei, Graham Beck international als einen der führenden Erzeuger hochwertiger Schaumweine nach traditioneller Methode außerhalb der Champagne zu etablieren.

Dabei wurden seine Weine auch Teil besonderer historischer Momente: Cap Classique von Graham Beck wurde 1994 bei der Amtseinführung Nelson Mandelas zum südafrikanischen Präsidenten ausgeschenkt und 2008 bei den Feierlichkeiten anlässlich der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten.

Einen wesentlichen Anteil an seinem eigenen Qualitätsanspruch schreibt Ferreira dem 2010 verstorbenen Unternehmensgründer Graham Beck zu. Dessen erklärtes Ziel, in Robertson einen der besten Schaumweine der Welt zu erzeugen, habe die Messlatte von Beginn an hoch gelegt. Der Anspruch und die Konsequenz Becks seien für ihn und das gesamte Team ein ständiger Ansporn gewesen, die Qualität Jahr für Jahr weiterzuentwickeln.

Mehr als ein Kellermeister

Ferreiras Einfluss auf Cap Classique beschränkte sich nie auf die Arbeit im eigenen Keller. Fünf Jahrgänge arbeitete er in Kalifornien mit Jackson Family Wines, zudem war er am Aufbau der Präsenz von Graham Beck in Großbritannien beteiligt. Vor allem aber engagierte er sich über viele Jahre für die gemeinsame Weiterentwicklung der südafrikanischen Schaumweinkategorie. Als Vorsitzender der Cap Classique Producers Association (CCPA) setzte er sich für höhere Qualitätsstandards, Wissenstransfer und eine stärkere internationale Wahrnehmung von Cap Classique ein.

IWC Co-Chair Jamie Goode bringt Ferreiras Bedeutung auf den Punkt: Nur selten werde eine einzelne Persönlichkeit derart eng mit einer ganzen Weinkategorie verbunden. Pieter Ferreira sei dies bei Cap Classique gelungen. Ferreira selbst betont dagegen immer wieder den Gemeinschaftsgedanken. Die Entwicklung von Cap Classique sei das Ergebnis der Arbeit zahlreicher talentierter Produzenten. Man habe voneinander gelernt, sich gegenseitig herausgefordert und dadurch letztlich die Qualität der gesamten Kategorie angehoben.

Das Western Cape als Grundlage

Pieter Ferreira mit einem Glas Cap Classique im Weinberg

Für Ferreira beginnt die Qualität eines großen Cap Classique nicht bei der zweiten Gärung in der Flasche, sondern im Weinberg. Die unterschiedlichen Landschaften und Terroirs des Western Cape schaffen seiner Ansicht nach ideale Voraussetzungen für Chardonnay, Pinot Noir und weitere Rebsorten, die für hochwertige Schaumweine eingesetzt werden. Natürliche Säure, Frische, klare Frucht und Balance seien entscheidende Voraussetzungen für große Schaumweine nach traditioneller Methode. Gerade hier könne Südafrika mit seinen vielfältigen Weinregionen und Wachstumsbedingungen eine eigenständige Position einnehmen.

55 Jahre nach dem ersten südafrikanischen Cap Classique des Jahrgangs 1971 ist die Geschichte der Kategorie damit längst nicht abgeschlossen. Aus den frühen Experimenten ist ein eigenständiger Weinstil mit wachsendem internationalem Renommee entstanden. Geeignetere Weinbergslagen, präzisere Kellerarbeit und ein zunehmend tiefes Verständnis der eigenen Herkunft haben die Qualität kontinuierlich vorangebracht. Pieter Ferreira war an dieser Entwicklung über vier Jahrzehnte maßgeblich beteiligt.

Anfang 2026 zog er sich offiziell aus seiner Funktion bei Graham Beck zurück und übergab die Verantwortung im Keller an seinen langjährigen Kollegen Pierre de Klerk. Ganz verabschiedet hat sich „Mr Bubbles“ von seiner Passion jedoch nicht: Gemeinsam mit seiner Frau führt er sein eigenes Label Pieter Ferreira Cap Classique weiter. Die Suche nach der perfekten Perlage geht also weiter.

Titelfoto: Graham Beck Wines