Seit vielen Jahren verbinden Thomas und Steffi Curry ihre Leidenschaft für südafrikanischen Wein mit engen Beziehungen ins Weinland. Aus diesen Verbindungen entstand etwas, das weit über den Weinhandel hinausreicht: Mit der Initiative Lebenslinien und der Eagle’s Nest Learning Foundation unterstützen sie heute Hunderte Kinder und Familien in Grabouw – und haben mit einem neuen Bildungszentrum ihre Kapazitäten gerade deutlich erweitert.

Manchmal beginnen große Projekte nicht mit einem Konzept. Sie wachsen aus Beziehungen. Bei Thomas und Steffi Curry begann alles mit Wein. Mit ihrem Unternehmen Currys Weinimport – bekannt als Südafrika Weinversand – haben sie sich seit vielen Jahren auf südafrikanische Weine spezialisiert, Produzenten begleitet und in Deutschland einen treuen Kundenstamm aufgebaut. Mit den regelmäßigen Reisen nach Südafrika veränderte sich jedoch auch ihr Blick auf das Land.

„Es war kein Plan“, sagt Steffi Curry. „Im Laufe der Jahre haben wir durch das Weingeschäft immer mehr Zeit in Südafrika verbracht und enge Beziehungen aufgebaut – nicht nur zu Winzern, sondern auch zu den Menschen hinter den Kulissen.“

Irgendwann, sagt sie, höre man auf, Besucher zu sein, und beginne, die Dinge anders zu sehen. Aus diesem Perspektivwechsel entstand 2017 die Initiative Lebenslinien und schließlich, gemeinsam mit Maria und Selwyn Koen, die Eagle’s Nest Learning Foundation in Grabouw.

Aus Kunden werden Unterstützer

Die Basis dafür liegt ausgerechnet Tausende Kilometer entfernt in Deutschland. Hier leben die Kunden von Currys Weinimport, bekannt als Südafrika Weinversand. Viele von ihnen begleiten das Unternehmen seit Jahren, lesen die Newsletter und teilen die Begeisterung für südafrikanischen Wein. Die Currys begannen, ihnen auch von den Menschen und Lebensbedingungen zu erzählen, denen sie in Südafrika begegneten.

„Wir haben nie versucht, jemanden zu überzeugen“, sagt Steffi Curry. „Wir haben einfach erzählt, was wir sahen und was wir taten.“

Aus Kunden wurden mit der Zeit Unterstützer. Die gesamte Infrastrukturinvestition in das Projekt beläuft sich mittlerweile auf rund 32 Millionen Rand – umgerechnet gut 1,7 Millionen Euro. Getragen wird dies fast vollständig von privaten deutschen Spenderinnen und Spendern aus dem Kundenkreis der Currys, ergänzt um einen kleineren Beitrag der Bayerischen Staatsregierung. Nach Angaben von Lebenslinien e.V. deckt der Verein damit heute rund 70 Prozent des laufenden Jahresbudgets von Eagle’s Nest. Heute unterstützt Eagle’s Nest Hunderte Kinder und Familien – und die Zahl wächst mit dem Ausbau der Einrichtung weiter.

Vom Kindergarten zum Bildungszentrum

2020 eröffnete auf dem Gelände ein selbst gebauter Kindergarten, der heute rund 90 bis 100 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren betreut. Am Nachmittag kommen weitere Schulkinder hinzu, ergänzt um eine 2022 gegründete Seniorengruppe. Im Januar 2026 ist nach mehrjähriger Planungs- und Bauphase ein neues Resource Center auf dem Gelände eröffnet worden – zunächst mit Platz für 200 Kinder. Bereits ein halbes Jahr später, im August 2026, besuchen täglich rund 300 Kinder die Einrichtung, hinzu kommen die Seniorengruppe und die Empfänger der Suppenküche.

Der zuständige Bezirk hat das Projekt öffentlich gewürdigt und betont, dass es eine vergleichbare Einrichtung in der Region bislang nicht gebe.

Vertrauen als Grundlage

Dass aus einer Beziehung zwischen Weinhändlern und ihren Kunden eine solche Unterstützung entstehen konnte, führt Steffi Curry vor allem auf einen Faktor zurück: Vertrauen.

„Alles, was wir tun, basiert auf Beziehungen. Ohne langfristiges Vertrauen zu Produzenten und Kunden würde nichts davon funktionieren. Menschen unterstützen Menschen, keine Strukturen.“

Dasselbe Prinzip gilt in Südafrika. Denn die Verantwortung für Eagle’s Nest liegt bewusst bei den Menschen vor Ort. Maria und Selwyn Koen leiten die Eagle’s Nest Learning Foundation. Ihr Engagement für Kinder in ihrer Gemeinde begann lange vor der Zusammenarbeit mit den Currys. Zunächst arbeiteten sie als Hauseltern für Agape, später gründeten sie eine kleine Kindertagesstätte, um Kindern in Grabouw einen sicheren und verlässlichen Ort zu bieten.

2016 lernten die Currys das Ehepaar über ein anderes Gemeinschaftsprojekt kennen. Daraus entwickelte sich eine langfristige Partnerschaft. Für ihr Engagement wurden Maria und Selwyn Koen inzwischen auch vom Premierminister der Provinz Westkap, Alan Winde, im Rahmen einer Gala-Veranstaltung geehrt.

„Eagle’s Nest ist ihr Projekt, ihre Gemeinschaft, ihre Realität“, sagt Thomas Curry. „Wir unterstützen, aber wir leiten es nicht von Europa aus.“

Ein Ort, der Stabilität schafft

Kinder in Südafrika, die durch Lebenslinien e.V. unterstützt und versorgt werdenHeute reicht die Arbeit von Eagle’s Nest weit über die ursprüngliche Kinderbetreuung hinaus. Nachmittagsprogramme bieten Sport, Kunst, Computerunterricht und die Vermittlung praktischer Lebenskompetenzen. Im Winter versorgt eine Suppenküche an sechs Tagen die Woche rund 400 Menschen. Ergänzt wird dies durch das sogenannte Magic Muffin Project: Wöchentlich werden rund 10.000 mit Vitaminen und Moringa angereicherte Muffins gebacken und an bedürftige Kinder, Erwachsene und Senioren in der Umgebung verteilt. Für Thomas Curry zeigt sich der Erfolg jedoch nicht allein in Zahlen.

„Die sichtbarste Veränderung ist Stabilität. Kinder, die täglich betreut werden, entwickeln sich anders. Man sieht es in ihrem Selbstvertrauen, ihrem Verhalten und ihren schulischen Fortschritten.“

Gerade diese Kontinuität betrachten die Currys als entscheidend. Wer bei Kindern langfristig etwas verändern wolle, brauche Zeit und Verlässlichkeit.

Engagement ohne Marketingetikett

Bemerkenswert ist auch, dass die Currys ihr soziales Engagement bewusst von ihrem kommerziellen Geschäft trennen.

„Das Weingeschäft ist unser Lebensunterhalt, aber Lebenslinien ist etwas Eigenständiges“, sagt Steffi Curry. „Wenn etwas authentisch ist, engagieren sich Menschen. Wenn es sich wie Marketing anfühlt, wenden sie sich ab.“

Damit berührt ihre Geschichte eine Frage, die auch für die internationale Weinwirtschaft zunehmend relevant wird: Welche gesellschaftliche Verantwortung können Unternehmen übernehmen – und wie bleibt dieses Engagement glaubwürdig? Für die Currys beginnt die Antwort nicht bei einer Strategie. Sie beginnt bei Menschen.

„Verantwortung sollte nicht zum Etikett oder Trend werden“, sagt Steffi Curry. „Sie muss aus echtem Engagement kommen.“

Die Geschichte von Lebenslinien zeigt damit auch, was aus den Beziehungen entstehen kann, die den internationalen Weinhandel seit jeher prägen. Aus Produzenten und Lieferanten werden langjährige Partner. Aus Kunden werden Wegbegleiter. Und aus einer gemeinsamen Begeisterung für südafrikanischen Wein kann schließlich etwas wachsen, das weit über die nächste Flasche hinausreicht – eine Bereicherung, die den reinen Genussfaktor übersteigt.

Sie zeigt aber auch: Weinbau ist mehr als ein landwirtschaftliches Produkt. In Südafrika schafft er Lebensraum, Chancen auf Einkommen, Ausbildung und soziale Netzwerke. Thomas und Steffi Curry sind dabei keine Romantiker des Weinsektors. Sie erkennen die Realität, handeln, schätzen wert und tragen bei – sie sind ein Beispiel dafür, welchen Mehrwert Weingenuss stiften kann, wenn er mit echtem Engagement verbunden wird.

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Wer sich über die Arbeit von Lebenslinien und Eagle’s Nest informieren möchte, findet mehr unter lebenslinien-ev.de.

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel „From wine to lifelines“ von Wanda Augustyn, erschienen im WineLand Magazine, Ausgabe August 2026, S. 24–25, sowie auf aktuellen Angaben von Lebenslinien e.V. und Currys Weinimport (Südafrika Weinversand), Stand August 2026.